< Die Sportklassen „fliegen“ wieder…
9.05.19 21:08 Alter: 16 days

Ein Gefängnisbesuch der verändert


Im Rahmen des Wahlpflichtgegenstandes Psychologie und Philosophie haben wir mit Professor Rott die Justizanstalt Ried besucht. Eine eigene Welt, mitten in der Stadt.

Ein Satz ist mir bei der Führung durchs Gefängnis besonders in Erinnerung geblieben:
„Es ist wichtig daran zu denken, dass die Gefangenen auch  Menschen sind.“
Wieso wurde dieser Satz  vom stellvertretenden Leiter der Justizanstalt  Ried  besonders  betont? Er hat mich nachdenklich gemacht.

Viele Menschen schauen auf GefängnisinsassInnen herab. Sie haben Taten begangen, die der Staat verurteilt und bestraft. Ich denke aber, man  kann nie wissen, aus welchem Grund eine Person so handelt, wie sie handelt. Die Not und der Schmerz, die möglicherweise verborgen hinter der Handlung liegen, bleiben unbekannt. Ich denke, wir  sollten einander nicht verurteilen, das ist Sache des Gerichts. Wir sind selbst fehlerhaft, unser moralisches Handeln ist nicht gesichert. Wir sollten die Taten, aber nicht die Menschen verurteilen.

Durch den Gefängnisbesuch lernten wir den streng geregelten und kontrollierten Tagesablauf der Inhaftierten kennen. Man kann sich kaum vorstellen, wie es ist, täglich nur eine Stunde in den Hof hinausgehen zu dürfen, stundenlang monotone Arbeit zu verrichten und jegliche Freizeitaktivitäten nur dann betreiben zu dürfen, wenn es der geregelte Tagesablauf erlaubt. Ein solcher Alltag schafft aber Struktur im Leben des Einzelnen und bietet viel Zeit zum Reflektieren.

Ein derartiger Besuch lässt Einen, besonders als Jugendlichen, intensiv über das eigene Leben nachdenken. Vielleicht sind wir, die wir in Freiheit leben, diejenigen, die sich selber und ohne Zwang ein „Gefängnis“ erbauen? Ein „Gefängnis“, welches uns von unserem Potenzial, der Verfolgung unserer Ziele und dem Glück abhält.


Adla Duliman 7B